New York - wohin geht die Reise?.

In der letzten Woche fand die größte europäische HR Messe, die ZP Europe zum ersten Mal auf digitalem Wege statt. Viele der dort diskutierten Fragen betrafen die Zukunft der Arbeit, es gab Chatbot ZUPY für die Besucher  und es wurde über organisatorische Grundsätze für neue Führungsstile, Agiles Arbeiten und New Work diskutiert.

Im Gespräch mit Carmen Frey, Head of People and Culture bei Carrypicker:


Carmen, wie verändert sich aus Deiner Sicht die Rolle von HR? Wie mein Titel schon verrät, vertrete ich die Meinung, dass die Bezeichnung von Menschen als Ressourcen nicht mehr zeitgemäß ist und damit auch der Begriff der traditionellen HR-Abteilung nicht mehr passt. Die Personaladministration läuft mittlerweile glücklicherweise weitgehend automatisiert. Die wichtigste Aufgabe von Personalern ist es daher, eine Kultur zu gestalten, in der es sich gut arbeiten lässt. Und da Kultur nur im Team entstehen kann, liegt es an uns, die Kollegen dazu einzuladen und zu ermutigen ihre Ideen einzubringen und sich auszutauschen.  Vor allem in der momentanen Situation eines großen (nicht selbst gewählten) Wandels sind wir dafür verantwortlich, Strukturen und Arbeitsmodelle zu schaffen, von denen sowohl die Mitarbeiter als auch das Unternehmen profitieren. Das funktioniert nur, wenn wir aufhören Mitarbeiter auf Funktionen oder Fähigkeiten zu reduzieren und die Arbeit als Gestaltungsakt begreifen.  Wie würdest Du New Work definieren, wo liegen die Chancen und Grenzen? New Work ist schon jetzt. Wir stecken mittendrin im Wandel der Arbeitswelt und das ist gut so. Der Begriff geht für mich über Kickertisch und Bürohund hinaus. Er beschreibt eine neue Denkweise und vielleicht sogar eine ganze (Arbeits-) Weltanschauung.  Tatsächlich sehe ich wenig Grenzen, allerdings einige Hindernisse, die es zu überwinden gilt: Es braucht viel Mut Altes zurück zu lassen - New Work scheitert häufig an den Barrieren in den Köpfen. Bei der Veränderung oder Auflösung klassischer Rollen regt sich häufig erst einmal Widerstand. Auch wenn sich New Work daher nicht von heute auf morgen umsetzen lässt, liegen die Chancen klar auf der Hand: Wir können ungünstige Muster durchbrechen, neue Arbeitsweisen und individuelle Zeitmodelle für verschiedene Lebensentwürfe finden. Die positiven Erfahrungen mit remote Arbeit ermöglichen es, unsere Arbeitszeit weiter zu flexibilisieren und das Büro als Ort des Austausches zu begreifen. Die Tatsache, dass in Zukunft Resultate mehr zählen werden als abgeleistete Stunden, empfinde ich als ein großes Privileg, von dem unsere Eltern nicht einmal zu träumen gewagt haben. Während früher „höher, schneller, weiter“ galt und Unternehmen gut funktionierende Maschinerien sein mussten, werden sie heute als wachsende Systeme verstanden, die auf Werte-Grundpfeilern wie Sinn und Integrität fußen. Die Generation Y, wie auch ihre Nachfolger, geht nicht mehr zur Arbeit um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern um ihr Leben zu leben. Diese Generationen sind hochqualifiziert und eigenmotiviert. Sie bringen ihre Leistung allerdings nicht mehr für finanzielle Anreize oder Sicherheit ein, sondern suchen außerdem Inspiration und Werte in ihrer Aufgabe. Führungskräfte müssen Impulse geben und etwas auslösen, der Gehaltsscheck allein reicht nicht aus. Auch wenn es zu Anfang schwerfällt, gilt es für Führungskräfte im Zeitalter von New Work, Kontrolle abzugeben und eine große Portion „Vorschussmut“ in die eigenen Mitarbeiter zu stecken, in der Hoffnung und mit der Gewissheit, dass alles gut wird.  Welche Fähigkeiten sind zukünftig wichtig?  Wir befinden uns in einer spannenden Phase, weil sich klassische Hierarchien und steife Jobprofile als zu starr für die komplexe, digitale, globalisierte Welt erweisen. Zukünftig werden wir keine wiederholenden Tätigkeiten mehr abarbeiten, diese können ja größtenteils automatisiert werden. Daher ist branchenübergreifend mehr eigenes Denken und unkonventionelles Problemlösen gefragt. Natürlich werden weiterhin mehr technologische Positionen aufkommen, für die vor allem technisches Know-how sehr gefragt ist (Informatik, Data Science, Ingenieurswissenschaften). Mindestens genauso wichtig werden allerdings soziale Kompetenzen wie Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit sein. Ebenfalls Eigenschaften wie Selbstreflexion und Empathie. Im Allgemeinen also Soft Skills, die uns von Maschinen unterscheiden. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir Maschinen nicht als Konkurrenz, sondern als Unterstützung sehen. Meiner Meinung nach sollten wir uns bewusst machen, dass im (Arbeits-) Leben immer etwas sein wird, das stört – immer gibt es Baustellen und ungelöste Probleme. Bestens für die Zukunft gewappnet sind diejenigen, die diese Tatsache nicht als Grund zur Beschwerde sehen, sondern als Möglichkeit Neues auszuprobieren und zu lernen. [Wie das Ausprobieren von Neuem und die Arbeit eines Data Scientist und eines Software Developers bei Carrypicker aussehen, kann man auf der Teamseite erfahren. Dort geben Yuki und Joris Einblicke in ihren Alltag] Was verbindest Du persönlich mit KI? Wie die meisten habe ich eine gespaltene Meinung zum großen schwer greifbaren Begriff der Künstlichen Intelligenz. Wir wissen, dass sie unseren Alltag und unsere Kommunikation stark beeinflusst und weiter umwälzen wird. Was wir lieber nicht wissen wollen ist, welche Macht beispielweise Marktgiganten wie Google oder Facebook über uns besitzen, wenn sie über unsere Daten und damit unsere Gewohnheiten bestimmen können. Allerdings sehe ich den Ursprung des Problems nicht in der künstlichen Intelligenz an sich, sondern in der ungeklärten Frage der digitalen sozialen Verantwortung. Grundsätzlich bin ich bei einem bewussten und kontrollierten Einsatz von künstlicher Intelligenz vor allem von ihren großen Vorteilen überzeugt: Sie hilft uns, Prozesse zu verschlanken und effizienter zu machen, Energie einzusparen und ungeliebte wiederkehrende ToDos abzuhaken. Was ich außerdem toll an ihr finde: Sie macht uns bewusst, dass wir nicht wie Maschinen funktionieren müssen, sondern dass uns mehr ausmacht als komplexe Algorithmen.  Werden sich mit dem Einsatz von KI viele Jobprofile stark verändern? Ja, die meisten Branchen und Jobprofile werden sich wandeln. Wenn Maschinen einen großen Teil der Arbeit übernehmen, geht es für uns nicht mehr ums bloße Geld verdienen, sondern darum, Beziehungen, Sinn und Authentizität aufzubauen. Es wird wichtig, gelingende Mensch-Maschine Interaktionen zu ermöglichen und auch mal zu akzeptieren, dass sich Technologie oft schneller wandelt als menschliche Gewohnheiten. Es wird sich herauskristallisieren, in welchen Bereichen und bei welchen Prozessschritten der Mensch unersetzlich ist und wie sich Mensch und Maschine mit ihren verschiedenen Fähigkeiten optimal ergänzen können. Ich bin gespannt darauf, ob beispielsweise Ideen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen weitergedacht werden und welche neuen Möglichkeiten uns solche Visionen ermöglichen. Dass kompetente und motivierte Mitarbeiter auch in Zukunft die wichtigste Grundlage erfolgreicher Unternehmen sind, steht für mich außer Frage. 


Persönliches  Berufswunsch mit 10 Jahren In der Grundschule wollte ich gerne Schauspielerin werden, später fand ich auch die Berufsziele Radiosprecherin oder Übersetzerin spannend. Einige NewWork Experten vermuten, dass wir zukünftig etwa 4 Karrieren pro Leben aufbauen können – da wäre bei mir noch einiges drin. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass Dolmetschen eine der Aufgaben sein wird, die künftig größtenteils von künstlicher Intelligenz übernommen werden. 

Arbeitsmotto Ein eigens gewähltes Arbeitsmotto habe ich nicht, grundsätzlich versuche ich mir den Grundsatz “Wherever you go, there you are” regelmäßig bewusst zu machen. Präsenz (und in Corona-Zeiten meine ich nicht die physische) ist für mich ein entscheidender Faktor. Sowohl in Bewerbungsgesprächen als auch in Alltagssituationen. 








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